Tutorial: Bildschnitte & Bildwirkung – Shooting mit Lisa | 14.11.2010

Hey Blogleser!

Wie gehts euch? Ich hoffe alles ist ok und ihr habt Zeit meinen neuen Blogeintrag zu lesen. Dieser ist eine kleine Überraschung, da ich ihn nicht im vorausgegangenen Newsbeitrag erwähnt habe.

Heute geht es um ein besonderes Thema, nämlich Bildschnitte und die Bildwirkung bei Portraits. Ihr kennt sich das „Standardportrait“, Hochformat, Augen und Nase im Goldenen Schnitt… fertig. Dass es auch anders geht zeige ich euch heute.

Am 14.11. hatte ich ein Shooting mit Lisa aus der Modelkartei. Mit dabei war wieder Ronny Lorenz. Beim Durchsehen der Bilder ist mir die Idee zu diesem Beitrag gekommen. Zum Anfang mache ich immer ein paar einfache Portraits, damit sich das Model auf meine Arbeitsweise eingewöhnen kann. Aus diesen Arbeiten heraus habe ich ganze 11 Bilder retuschiert und mit teilweise sehr abenteuerlichen Bildschnitten versehen, damit ihr seht welche Wirkung allein der Bildschnitt auf ein Foto hat.

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Ich habe bewusst eine normale Beautyretusche durchgeführt und keinerlei Farblook oder künstlerische Anpassung über die Bilder gelegt. Die Bilder sind alle mit diesem Lichtsetup entstanden. Wie ihr seht habe ich einfach den weißen Papierhintergrund genutzt und die 180cm Octabox als Hauptlicht geführt. Dabei gab es aber eine Besonderheit. Wie ihr auf dem zweiten Bild sehen könnt habe ich den Außen-und den Innendiffusor der Octabox herausgenommen und stattdessen meine professionelle Reflektorpappe in die Box eingespannt. Dadurch bekam das Model nicht das direkte Blitzlicht ab, sondern das Licht wurde in der Octabox verteilt und traf dann weicher, aber dennoch knackig akzentuiert auf das Model. Das Ganze ist eine Low-Budget Idee von mir gewesen, die aber sehr gut funktioniert hat.

Kommen wir nun zu den eigentlich Aufnahmen. Wir fangen mit einfachen, klassischen Bildschnitten an und steigern und zu den etwas gewagteren Bildaufteilungen. Die Bilder sollen euch Beispiele zum Bildschnitt und der Bildaufteilung geben und euch anregen auch ein wenig damit zu experimentieren.

Das Quadrat

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Das Quadrat wirkt sehr ruhig und ausgeglichen. Man denkt unweigerlich an Mittelformatfilme, diese sind oft im Format 6x6cm und daher quadratisch. Durch diese Asssoziation wirkt ein Quadrat oft sehr edel und wertig. Der Bildschnitt ist klassisch, der Kopf ist leicht angeschnitten und das Bild endet unter den Schultern. Lisas neutraler Blick unterstützt die ruhige Bildwirkung. Durch den Blick über die Schulter ist der Betrachter etwas distanziert vom Model, es sieht einen quasi nur beiläufig an.

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Hier habe ich eine sehr untypische Bildaufteilung gewählt, der Kopf ist oben stark angeschnitten und befindet sich weit links oben auf dem Bild. Dadurch ist der Körper noch präsenter auf dem Bild und formt eine abfallende Linie. Durch diese Linienführung hat das Bild eine leichte negative Aussage.

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Hier eine von mir oft eingesetzte Bildaufteilung. Das Model ist diagonal im Bild angeordnet und formt so eine aufsteigende Linie. Dadurch wirkt das Bild sehr dynamisch und positiv, der Anschnitt des Kopfes macht es spannend.

Das Hochformat

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Das Hochformat ist das meistgenutzte Format im Bereich der Portraitfotografie. Da der Kopf nunmal mehr hoch ist, als er breit ist bietet sich das auch an. Hier habe ich das Bild nahezu im goldenen Schnitt aufgeteilt, die Augen liegen genau auf 1/3 der Höhe. Den Bildschnitt habe ich sehr eng gewählt, der Kopf ist nahezu horizontal symmetrisch im Bild angeordnet. Die Wirkung ist sehr direkt, der Betrachter steht praktisch direkt vor der Person. Durch das sympatische Lachen von Lisa wirkt das Bild sehr angenehm und fröhlich.

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Dieses extreme Hochformat ist eher experimentell. Der Kopf ist rechts und links symmetrisch angeschnitten, die Augen liegen klassisch auf 1/3 der Höhe. Der direkte Blick wirkt sehr penetrant auf den Betrachter. Dadurch, dass man so einen Bildschnitt nicht so oft sieht wirkt es spannend.

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Dieses Hochformat ist noch experimenteller. Das Gesicht ist rechts sehr stark beschnitten, die Aufnahme zeigt Lisa im Profil. Das Foto kommt freundlich und sympathisch rüber, der Betrachter ist aber leicht verwirrt durch den unkonventionellen Bildschnitt.

Das Breitbildformat

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Das extreme Breitbildformat ist eher selten gesehen. Hier bietet es sich besonders an auf den goldenen Schnitt zu verzichten und das Model zentral mittig zu positionieren. Auch hier gibt es einen klassischen Anschnitt. Der Ausdruck von Lisa ist etwas genervt und überträgt eine Abneigung auf den Betrachter.

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Bei diesem Bild wurde die Bildaufteilung wieder klassisch aufgeteilt, das Model liegt im Goldenen Schnitt. Lisa bringt durch ihr Lachen ihre sympathische Art rüber und durch den Blick über die Schulter gewinnt der Betrachter wieder etwas Distanz.

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Der Bildschnitt dieses Fotos ist auch der experimentellen Ecke zuzuschreiben. Die Lippen und die Augenbrauen bilden den Bildrand, die Augen liegen sehr weit oben im Bild. Das Bild wirkt sehr direkt auf den Betrachter. Gerade durch die Lippen sieht die Aufnahme allerdings etwas „verrückt“ aus.

Das Querformat

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Dieses Bild im Querformat ist ganz klassisch aufgebaut. Das Model ist zentral angeordnet, der Kopf aber im goldenen Schnitt positioniert. Der Kopf ist oben leicht angeschnitten und die Schultern sind noch mit auf dem Bild.
Durch die seitliche Position des Models und die halbe Drehung des Kopfes in Richtung Kamera wirkt das Bild trotzdem nicht langweilig.

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Hier ist das Model extrem am rechten Bildrand angeordnet. Der Kopf ist rechts etwas beschnitten, sodass man dort keinen Hintergrund mehr sieht. Das Gesicht befindet sich auf 1/3 der Bildhöhe. Diesen Schnitt finde ich sehr spannend und interessant, probiert ihn mal aus.

Das war mein kleines Tutorial zum Thema Bildschnitte & Bildwirkung. Probiert einfach ein wenig rum mit Bildschnitten, oft lässt sich allein dadurch die Bildaussage entscheidend beeinflussen.

Die Retuschezeit bei jedem Bild belief sich auf ca. 10 Minuten. Wie ihr so schnell eine ansprechende Beautyretusche durchführen könnt und welche Techniken ich dabei anwende zeige ich euch in einem der nächsten Artikel.

Wie haben euch die Fotos gefallen? Habt ihr einen persönlichen Favoriten? Das würde mich sehr interessieren, da die Bildwirkung jeder Betrachter anders wahrnimmt.

Ich wünsche euch eine schöne Woche,

Akira Schüttler
www.akiraschuettler.de